Unleash The Kraken Fest Debauchery vs. Bloodgod Surface Awaiting Downfall Tragedy of Mine Mental Arrest

Jan Termath
Fotograf


Jazz Styx
Redakteur


22.10.2016


Unleash The Kraken Fest

|| Debauchery vs. Bloodgod || Surface || Awaiting Downfall || Tragedy of Mine || Mental Arrest ||

HDJ Stellingen, Hamburg

Zwischen Basketballkorb und Kletterwand, zwischen Zapfhahn und Burgergrill findet nun schon das fünfte „Unleash the Kraken“ statt. Im HDJ Stellingen, Hamburg, soll unter dem Headliner-Banner von DEBAUCHERY VS. BLOOD GOD ein schrecklicher achtarmiger Dämon beschworen werden. Für dieses Ritual bedarf es allerdings einiger Vorbereitung.

„Wir sind MENTAL ARREST aus Bremen und freuen uns, dieses großartige Festival eröffnen zu dürfen und euch schon mal ordentlich in die Fresse zu hauen!“ Frontmann Timmy muss sich hier auf eine der Möglichkeiten der Oktopuszubereitung beziehen: das Weichklopfen vor dem Garen. Das machen MENTAL ARREST mit einer sehr starken Stimme, ebenso gelungenem Thrash Metal sowie einer Extraportion Heavy Metal. Selten war die Warm-Up-Position eines kleinen Festivals mit größerem Klang besetzt. MENTAL ARREST läuten die Krakenbeschwörung gefühlvoll und mächtig ein – sehr schön!

Es ist leer im Konzertsaal, als TRAGEDY OF MINE beginnen, aber es wird sehr schnell voller. Kein Wunder, geht doch ihr herausragender Sound aus Melodic Death Metal, Metalcore und sehr viel mehr heftigst nach vorne. Nicht zuletzt durch Frontsau Stevens ständigen Kontakt zum Publikum und trotz halber Besetzung an den Gitarren kommt es bald zur ersten Wall of Death, zahlreichen anderen Moshigkeiten und jeder Menge Applaus. Wer schon länger keine Newcomer-Band unterstützt hat, sollte ernsthaft überlegen, ob TRAGEDY OF MINE nicht die perfekte Gelegenheit dafür wären: Hört da rein, kommt zum nächsten Konzert und rastet aus! Nuff said!

Bevor AWAITING DOWNFALL loslegen, ist der beinahe verpflichtende Genuss eines tiefschwarzen Krakenburgers und eines preiswerten Bieres an der Reihe. Doch dann spielen die Jungs aus einem Kaff bei Paderborn ihren Metalcore mit Thash-Einschlag, der wirklich gut hierher passt. Mittlerweile hat sich auch eine solide Headbangerfront vor der Bühne gebildet, die nicht die einzigen sind, die so manche Textpassage mitsingen können. Trotz ihrer streckenweise nur moderat motivierten Ausstrahlung kommt der Abend mit AWAITING DOWNFALL der Befreiung des Dämonenkrakens näher und näher. Konzert verpasst? Dann einfach mal in das neue Album „Distant Call“ reinhören!

„OK, schnell weiter! Ihr wollt ja auf die Fresse, oder?“, erklingt die Stimme von Tom, das Fronttier des Mainacts der Herzen: SURFACE – die Konstante des Krakenfests – holen sich zur Oktopusbeschwörung Hilfe aus der griechischen Götterwelt. Olympic Death und Trash Metal füllt den Raum akustisch, aber auch mit reichlich Publikum. Die bierseligen Schädel werden geschüttelt und der Torkelpit ist im Vollgas-Modus. Die gradlinige Härte der Titanen spricht in den hart entzückten Metallerseelen etwas Ursprüngliches, etwas Echtes an, sodass eine über das Feiern hinausgehende genuine Zustimmung den Saal erfasst. Spätestens als SURFACE am Ende dem Publikum – wie immer – die Bühne und die Mikros überlassen, wird die Stärke des Krakens deutlich, der nun bereits seine dämonischen Tentakeln in unsere Welt streckt.

DEBAUCHERY bzw. BLOOD GOD bzw. beide, handelt es sich doch bei ihnen um eine Band, starten mit leichter Verspätung, was aber nicht verwundert bei dem Aufgebot an gruseligen nackten Skulpturen und Schädelansammlungen auf der Bühne. Rock ’n‘ Roll ’n‘ Death ’n‘ Heavy Metal – die blutbeschmierten Kerle in ihrer postapokalyptischen Kluft spielen eingängiger als die vorangegangenen Acts und können, auch durch die grandiose Vorleistung der anderen Bands, schnell den Kraken befreien, der in seiner dämonischen Präsenz die Metaller befällt und sie ins frenetische Headbangen zwingt. Dennoch scheint es so, als läge der emotionale Höhepunkt des Abends bereits in der Vergangenheit. Nichtsdestoweniger rocken und metaln sich DEBAUCHERY VS. BLOOD GOD noch weit in die Nacht hinein – und auf der neuen Platte „Thunderbeast“ bei so manchem Fan auch danach noch weiter. So konnte auch dieses Mal der Kraken wieder befreit werden – bis nächstes Jahr, wenn es hoffentlich wieder heißt: „Unleash the Kraken!“