Stubenmosher Tragedy of Mine Maggie's First Words Human Debris

Jan Termath
Fotograf


Jazz Styx
Redakteur


01.10.2016


Stubenmosher

|| Tragedy of Mine || Maggie's First Words || Human Debris ||

Astra Stube, Hamburg

Unweit der Hamburger Sternschanze befindet sich eine kleine Kneipe direkt unter den Schienen der Hochbahn: die Astra Stube. Ihr Raum geht – wie ihr Bier – eher in die Breite, ihre Bühne auch. Heute treffen sich hier zum Stubenmoscher die Metalheads, die einige starke Nachwuchs-Bands unterstützen und feiern wollen: HUMAN DEBRIS, MAGGIE’S FIRST WORDS und TRAGEDY OF MINE.

Angereist aus Osnabrück, einer Stadt, die gewissermaßen selbst eine Tragödie ist, sind TRAGEDY OF MINE. Deren Frontmaschine Steven startet mit einem erfrischenden, aufweckenden Urschrei aus dem Publikum heraus in den Abend und hört eigentlich nur dann mit dem wirklich starken Shouting auf, wenn er mit seinem mehr als soliden Klargesang die Astra Stube füllt. Der restliche Lärm will auf die Bezeichnung „Melodic Metal“ hören und hat was von Groove Metal mit Metalcore – plus viel Melodie und einigen progressiven Elementen. Trotz minimal zu präsenter Drums kommt die besonders gitarrenstarke Musik ausgezeichnet rüber, aber zum ernsthaften Abgehen fehlt leider die Fanbase im Publikum. Trotzdem oder gerade deswegen: TRAGEDY OF MINE, kommt bitte wieder und lehrt die Hamburger eure Musik zu lieben – sie hat es absolut verdient!

MAGGIE’S FIRST WORDS, Akt Zwei des Abends, sind eine Wand, eine Mauer, ein verdammter Wall an Krach. Der Sänger produziert mit einen Stimmbändern eine bewundernswerte Brutalität, die die kleine Kneipe beinahe zum Bersten bringt. Trotz der einheitlichen Kleidung in weißen Hemden sieht die Band wunderbar kunterbunt aus. Sie hat es geschafft, seit ihrem Broken-Wrist-Supergrounds-Auftritt im Frühjahr ihre Schüchternheit gut abzulegen und rocken heute die Bühne zu Schutt und Asche. Wohl den Höhepunkt bildet der – unterstützt vom Arktis-Sänger – dreistimmige Song „The Ocean“, bei dem sich allerdings die Hillbilly-Mähne des zweiten Sängers im Bass verfängt. MAGGIE’S FIRST WORDS‘ Markenzeichen sind gradlinige Auf-die-Fresse-Songs, aber sie covern auch ein wenig, haben punkige Party-Mucke im Repertoire und gehen sogar mal ein wenig ins Post-hardcorige über. Im Kern aber ist es Death Metal mit melodischen Parts und Metalcore-Einflüssen – oder subjektiver: richtig geil!

HUMAN DEBRIS fallen sofort auf, weil bei ihnen eine eher zierliche Frau am Mikro steht. Das ist Elena. Elena kann schreien wie ein cholerischer Armeeausbilder – aber in gut, sehr gut! Aber auch sonst knallen die menschlichen Trümmer einen melodischen Death Metal auf die Zuhörertrommelfelle, der sowohl in Sachen Brutalität als auch in spielerischer, musikalischer Hinsicht Freude macht. Einen leichten Kontrast stellt das Verhalten auf der Bühne da, das eher verwirrend als unterhaltend ist. Nichtsdestoweniger machen HUMAN DEBRIS sehr gelungene Musik für ein heute leider nur mittelmäßig abgehfreudiges Publikum und runden damit den äußerst angenehmen Abend gut ab.