Pop Evil Parity Boot

Jan Termath
Fotograf


Jens Harms
Redakteur


02.11.2014


Pop Evil

|| Parity Boot ||

St. Pauli Rock Café, Hamburg

Nach ihrem ersten Auftritt im März 2014 als Support von FIVE FINGER DEATH PUNCH finden die Jungs von POP EVIL aus Michigan nun erstmals den Weg als Headliner nach Europa. Ihre Tour eröffnen sie im kleinen, beschaulichen St. Pauli Rock Café im Herzen des Hamburger Kiez‘. Mit vielleicht 100 Besuchern ist die Location schon vollkommen ausgelastet, doch die Stimmung kann mit Fug und Recht als „bombastisch“ bezeichnet werden – POP EVIL schlagen ein wie eine Bombe und sorgen für eine Stimmung, von der selbst die großen Kiez-Locations nur träumen können!.

Den Abend im Rock Café eröffnen die Hamburger PARITY BOOT mit Ihrem Industrial-Thrash, der das Publikum direkt in Schockstarre versetzt. Trotzdem bolzen die Jungs heftig weiter und versuchen „auf jede Diskette zuzugreifen, um deren Bootsektor zu infizieren“. Leider gelingt das nicht wirklich, was aber wohl eher an den Erwartungen des Publikums liegt, das eher auf POP EVIL eingestellt ist. Der meist wuchtige und voluminöse Thrash-Sound wird von solidem und straightem Gesang begleitet. Hier und da nett platzierte 90er Elektro Samples und Synths, die leider in dem massigen Geballer etwas untergehen. Schöne Einlagen durch crazy Grooveparts ala´ System of a Down, um dann wieder straight & heavy weiterzukloppen. Auf jeden Fall eine interessannte Mischung aus Fear Factory, Strapping young lad, SOAD und Sybreed, die vor einem passenderen Publikum besser eingeschlagen und geile Songs wie „Fast Forward“ mehr reflektiert hätten. Das Ziel „Weltherrschaft“ (so Fronter Mathias) besteht aber nach wie vor!

Hauptact des Abends sind die in den USA und KANADA bereits bekannten POP EVIL aus Michigan. Zuvor als Vorband von Five Finger Death Punch, ist fünfköpfige Band jetzt mit dem aktuellen Album ONYX unterwegs. Die erste eigene Headliner Tour in Europa stellt sich als echter Geheimtip raus. Das Eis ist mit dem ersten Anschlag der Gitarren gebrochen und trifft auf dankbar mitsingende Fans. Dass der Laden mal locker zur Hälfte mit Hamburger Deerns gefüllt ist, liegt mit Sicherheit auch an dem charismatischen Sänger Leigh Kakaty, der gestenreich die Songs uns Publikum feuert. Schon der Operner „Flawed“ bringt die Menge zum springen und stampfen. „Behind closed Doors“ dagegen fängt als tiefgreifende Ballade an und entfalltet sich im Verlauf mit einem unsagbar fetten Groove. Lieder wie das fast schon Crossover klingende „Divide“ inkl. streckenweisem Sprechgesang wird aber immer wieder zur Essenz des Rock zurückgeführt. Voll in ihrem Element spielen die Jungs gleich die als Zugabe vorgesehenen „Deal with the Devil“ und „ Trenches“ mit runter, was die aufgeheizte Meute nicht davon abhielt, sofort nach der ersten Stille lauthals eine Zugabe zu fordern. Dass die Rocker darauf nicht vorbereitet sind, merkt man an einer kurzen Unsicherheit. Sie geben dann aber das ruhigere „Somebody like you“ zum Besten und fanden so den perfekten Ausklang. Balladig, rockig, groovig, gesangstalentiert, leidenschaftlich, präsent, super!

Der Abend war einmalig, weil die Jungs echt Bock hatten und das vom Publikum reflektiert wurde bis der kleine Laden kochte. Ich bin überzeugt, dass dies der Auftakt für POP EVIL in Deutschland war und die nächsten Gigs in größeren Locations stattfinden werden. POP EVIL haben Ihren Höhepunkt noch vor sich. Die beste Zeit für eine Band und deren Fans. Wir freuen uns drauf! Mich wundert es nicht, dass Sie auf dem UPROAR Festival in Detroit spielten, wo GODSMACK Headliner waren. Für mich de gleiche Liga und hoffentlich auch bald so erfolgreich!


Das war wirklich ein Abend, der seinesgleichen sucht. Da ich bereits bei dem ersten Deutschlandauftritt im März dabei war, waren die Erwartungen extrem hochgesteckt. Ich hätte, als ich an der winzigen Location ankam, nicht gedacht, dass man diese Erwartungen erfüllen könnte. Und das hat man auch nicht, nein, sie wurden bei weitem übertroffen. Und ähnlich scheint es auch POP EVIL gegangen zu sein. „Wir wussten nicht, was wir erwarten können, ob wir die Bude überhaupt voll bekommen. Noch vor einem halben Jahr kannte uns keiner und jetzt stehen wir hier und Ihr singt unsere Songs!“ Man kann sich sicher vorstellen, dass das auch für die Band ein unglaubliches Gefühl gewesen sein muss, trotz des kleinen Pubikums. Doch in solchen Klubs, so Sänger Leigh, habe man selbst angefangen und sich kennengelernt. Mit Zugaberufen hatte man in der Band wohl nicht gerechnet, obwohl es eigentlich im Verlauf des Abends abzusehen war. Völlig baff spielte man zuletzt „Somebody Like You“. „Mit diesem Song sind wir in unserer Heimat damal bekannt geworden – aber woher zur Hölle kennt IHR diesen Song?“ Und anders als sonst üblich spielte man eben diesen Song, der auf der Setlist eigentlich gar nicht angedacht war und bot an, sich nach dem Auftritt zu den Leuten zu setzen, zu quatschen und ein Bier zu süppeln. Wenn eine Band so sehr am Publikum ist und ihre Musik lebt, dann ist es kein Wunder, wenn man auf dem Konzert quasi durchgehend eine Gänsehaut hat.