Metal Bash Buried In Black Surface Slaughterday Shadowbane The Committee Drunken Swallows Space Chaser Nitrogods Syndemic Motörment Paragon Venom Inc.

Jan Termath
Fotograf


Jazz Styx
Redakteur


21.05.2016


Metal Bash

|| Buried In Black || Surface || Slaughterday || Shadowbane || The Committee || Drunken Swallows || Space Chaser || Nitrogods || Syndemic || Motörment || Paragon || Venom Inc. ||

Schützenverein, Neu Wulmstorf

Am Rande der zivilisierten Zone Hamburg, dort, wo die Gebäudedichte geringer und die Anzahl von Wiesen und Wäldern größer wird, findet am 21. Mai 2016 erneut das eintägige Festival METAL BASH statt. Für viele Gäste ist es der Start in die Open-Air-Saison, bei dem zu Grillwurst und Bier harte Klänge den ganzen Tag lang für gute Laune bei den Schwarzgekleideten sorgen. Doch auch die Gesundheit soll heute eine Rolle spielen, denn die entsetzliche Krankheit „Metal-Unlust“ soll ausgebrochen sein und muss unbedingt bekämpft werden.

Der heutige Morgengruß im Stile astreinen Stimmbandyogas of Death wird von Ron auf die Trommelfelle der sich langsam mehrenden Metalgemeinde vor der Bühne tätowiert. BURIED IN BLACK heißen die Verursacher des hervorragenden Old-School-Death-Metals, der hier knallhart den Staub aus den Kutten der Zuhörer prügelt. Die fünf Todesyoga-Instruktoren leiten klassische Übungen an: Kopfnicken, Bier heben und das Emporreißen der Faust – für Fortgeschrittene sogar mit Pommesgabel-Fingern. Ein neues Trainingsprogramm gibt es auch für die heimischen Lärm-Maschinen: „Dicio“ heißt die jüngste Platte von BURIED IN BLACK.

Wie ein Relikt aus der Prä-Verstärker-Ära spielmannszieht die örtliche Rumtata-Truppe in der Umbaupause in den Spuren der Wacken-Firefighters über den Rasen.

Homöopathie basiert darauf, dass eine sehr kleine Dosis von etwas zur Heilung beiträgt. SURFACE betreiben Anti-Homöopathie: Heilung durch Überdosis. Überdosis Thrash. Überdosis Death. Überdosis Growling. Überdosis Awesomeness! Tom und seine titanischen Mitstreiter verleiten sogar schon zu seinem frühmorgendlichen Amateur-Moshpit-Imitat, obwohl der Gitarrist nur geliehen ist. Wen es nach mehr Anti-Homöopathie verlangt – und das sollte es, denn SURFACE extrahieren jedes bisschen Metal(l), das der Olymp hergibt mit thrashgeschredderten Schallwellen und Frühstückspogo auf Vier –, dem sei das neuste Album „Rise of Kronos“ ans Herz gelegt.

Großvatis Klimper-Parade marschiert erneut durch die Grünanlage, als feierte man ein Schützenfest – übertönt vom Soundcheck der nächsten Band.

SLAUGHTERDAY heißen die nun folgenden Paläo-Death-Metaller, die sich vorwiegend recht ursprünglicher Klänge ihres Genres bedienen und meist fern vom modernen, manipulierten Ohrenfutter spielen. Melodiös monoton schleicht sich die hart akzentuierte Musik und solider Grunzgesang in die schwarz bedeckten Körper der zahlreicher werdenden Zuhörerschaft. Das todesmetallische Dröhnen bewegt sich zwischen tiefem Slowfood und schnellstens in die Metalfanschlünde geschleuderten Deathhäppchen – garantiert nicht gentechnisch verändert! Doch auch im Paläo-Death-Metal gibt es natürlich immer mal wieder etwas Neues: In SLAUGHTERDAYs Fall heißt es „Laws of the Occult“.

Ein drittes mal ganz in Grau Hintergrundgeklimper im Gleichschritt zu erzeugen, bringt zwar erneut Applaus, aber angenehmer als der Spielmannszug ist immer noch der Soundcheck.

Die Strahlenterapie für die Gehörgänge powern SHADOWBANE unter strahlend blauem Himmel in die Menge. Nach ein paar Strahlenschutzanzügen und Bio-Hazard-Flaggen endet das postapokalyptische Flair der Endzeit-Metaller leider weitgehend. Insbesondere der Sänger Stefan hat mehr Ballermann- als Metal-Ausstrahlung. Der guten Hörbarkeit des Power Metals tut das allerdings keinen Abbruch, auch wenn eine konsequentere Verwirklichung ihres postapokalyptischen Mottos wünschenswert wäre. Auf der Scheibe „Facing the Fallout“ steht natürlich die Musik im Mittelpunkt – und die geht ab! Beim heimischen SHADOWBANE-Genuss entgeht dem geneigten Hörer dann aber auch die passende Therapie-Begleit-Medikation in Form von in Reagenzgläsern ausgegebenen Gratis-Drinks.

THE COMMITTEE – spontaner Rorschachtest im Zuge der vollständig schwarzen Maskierung: „Ich sehe abgrundtiefe Dunkelheit, hassgeborene Vernichtung des Nichts, grelles Leuchten bei vollständiger Annihilation der Raumdimensionen, die bestimmte Verneinung von Existenz, die klanggewordene Negation des letzten Lächelns in der Welt.“ Aus der Schwärze schält sich eine Sense, Symbol des Tooooodes. Wie so oft im Black Metal – so durchgehend solide er im Fall von THE COMMITTEE auch durchgeprügelt wird – wirkt er auf die meisten erst wie eine Schock- und dann wie eine Desensibilisierungs-Therapie durch recht gleichförmiges – meist gekonnt atmosphärisch angedoomtes – Hintergrundrauschen. Das aktuelle Album hört auf den Namen „Power Through Unity“.

Im vollen Bewusstsein, hier ein wenig fehl am Platze zu sein, beginnen DRUNKEN SWALLOWS ihr Programm mit den Worten: „Ich weiß nicht, was ihr erwartet, aber jetzt kommt erstmal Punkrock!“ Und Punkrock kommt: vielleicht etwas unpassend auf dem METAL BASH, aber weder stimmlich noch musikalisch schwach – eher im Gegenteil. Nicht zu straße, nicht zu kommerz fahren DRUNKEN SWALLOWS einen Mittelweg, der nach dem vorherigen Dröhnen einer entspannenden Trommelfell-Reflexzonen-Massage gleichkommt: melodisch, motiviert, mitreißend. Mehr punkige Massagemusik gibt es auf dem neuen Album „Im Sturzflug durch die Republik“.

Im fortlaufenden Nachmittag haben die Speed-Thrash-Metaller von SPACE CHASER einen Bühnenslot, den Siegfried Rudzynski mit hohem Gejodel füllt. Am meisten wird die Ansage einer Instrumental-Nummer gefeiert, können doch viele Gäste mit der sehr schnell und sehr gut gespielten Musik mehr anfangen als mit der ultrahohen Stimmlage des Frontmanns. An den Zäunen sammeln sich Hunde, die sich herangepfiffen fühlen, und alle Insekten suchen das Weite. Das massive Thrashgewitter eignet sich allerdings optimal, um mögliche Steine in den Gehörgängen des Publikums zu zertrümmern. Mehr mehr oder weniger heilsame Beschallung gibt es auf der letzten Platte von SPACE CHASER: „Watch the Skies“.

Was könnten die von der Sonne geröteten und vom Bier betäubten Glieder nun besser gebrauchen als ein schwungvolles Tänzchen? Die passende Musik dafür liefern NITROGODS mit ihrem groovenden Rock ’n‘ Roll. So werden kaputtgeheadbangte Nacken und beim Pogo eingeklemmte Nerven fachmännisch tanztherapiert. Entsprechend rockt der volle Sound von NITROGODS stilecht durch die immer staubiger werdende Hitze. Mitunter vielleicht etwas unbesonders, zu altmodisch und nicht sehr gut angenommen, aber durchaus ein entspannendes Erlebnis, das mit dem aktuellen Album „Rats & Rumors“ auch fürs Wohnzimmer erhältlich ist.

Nach der Entspannung ist es wieder Zeit für härtere Töne: SYNDEMIC schleudern die Akupunkturnadeln des Todes gleichermaßen auf Trommelfell und Verstand, bis der interessierte Zuhörer einer Voodoo-Puppe gleicht. Klarer, harter Sound, melodiöse Parts, gutes, vielseitiges Growling und mitunter sehr moderne Elemente, die Abwechslung einstreuen, ohne sich allzu weit vom Death-Metal-Genre zu entfernen. Die mäßige Begeisterung im Publikum sei auf das schwüle Wetter geschoben, denn SYNDEMIC klingen ausgezeichnet – überzeugt euch mit dem Album „For Those In Desperation“!

MOTÖRMENT ist ein Nebenprojekt von Torment, in dem Motörhead gecovert wird. Die Zuhörer werden also quasi mit alten Motörhead-Songs hypnotisiert und somit zurückversetzt in vergangene Zeiten. Diese mentale Zeitreise lässt vor allem Nostalgiker und Motörhead-Fans aufhorchen und mitgehen. Wer nicht in diese beiden Kategorien passt, bleibt von der musikalisch durchaus sehr respektablen Hypnose durch MOTÖRMENT unbeeindruckt und verbringt seine Zeit beim circa 25. Drink an einem lauen Frühlingsabend, der Lust auf den kommenden Sommer macht.

Die vorletzte Heilmethode und Band dieses Tages betritt in Form von PARAGON die Bühne: schwermetallhaltige Kräuterwickel und eine Hand voll Power-Kristalle im Bierchen. Die Truppe motivierter Altrocker bringt den einen oder anderen wirklich zum Abgehen, aber insgesamt scheint es fast mehr um die Getränke als um den Power-Heavy-Metal von PARAGON zu gehen. Angesichts der Tatsache, dass die Musik vergleichsweise abgedroschen und die Stimme mitunter sogar recht anstrengend rüberkommt, ist das auch nicht sehr verwunderlich. Wer diesen negativen Worten widersprechen möchte, findet die nötigen Argumente auf dem neuen Album „Hell Beyond Hell“.

Elf mal wurde an diesem Tag versucht, den in Schwarz gehüllten Metallerherzen gerecht zu werden, elf Heilmethoden gegen Metal-Unlust wurden erprobt. Wer nach diesen mehr als zehn Stunden Metal noch immer nicht zufriedengestellt ist, dem kann heute nur noch mit Gift beigekommen werden: VENOM INC. – Headliner und Überbleibsel des Metal-Urgesteins Venom. Mit Vollgas und vielen Flammen heizen sie denen ein, die bis jetzt durchgehalten haben. Tatsächlich nehmen endlich wieder richtig viele Metaller die Gelegenheit wahr und feiern die thrashlastigen Bühnentiere bis in die Nacht hinein. So kommt ein gelungenes METAL BASH langsam aber sicher zu einem guten Ende. Wer noch immer nicht genug hat und noch mehr metallisches Gift braucht, kann VENOM INC. auf ihrem aktuellen Album „From The Very Depths“ noch weiterhören.