Meister Scheisze Devastator Stahl

Jan Termath
Fotograf


Jazz Styx
Redakteur


26.08.2016


Meister Scheisze

|| Devastator || Stahl ||

Hamburg

Die jüngst explodierten Weinpreise im Hamburger Logo zwingen mich an diesem Abend, den Ort des Release-Konzerts von MEISTER SCHEISZE noch einmal zu verlassen, um mir supermärktlich meinen Promillehaushalt zu restaurieren. Dieser Weg führt über den Campus der Universität Hamburg, auf dem mich immer wieder wohlwollende – wegen des erstklassigen Roperockers-T-Shirts – und weniger wohlwollende Blicke – wegen der Literpulle gegorenen Traubensafts an meinem Hals – begegnen.

Bei meiner Rückkehr in den Kellerclub höre ich die ersten Töne von STAHL. Die fünf sehr entspannt wirkenden Musiker sind so metal, dass sie statt Müsli morgens Kettenglieder kauen – jede Wette! Um ihrem Death Metal gerecht zu werden, muss man das Genrerad der Zeit ordentlich zurückdrehen und ein winziges, winziges Bisschen Richtung Doom kippen. Als Neandertaler of Death – derbe oldschool, aber mächtig und durchaus eigen – belästigen STAHL die Gehörgänge des Publikums langsam, laut und trve.

Abgesehen vom ebenfalls besaiteten Sänger tragen die Saiteninstrumentalisten auf ihrem Feinripp den Namen ihrer Band: CRIMSON DEATH. Die Stuttgarter haben beeindruckenderes Haupthaar als die Kellys in den 1990ern und beim Gitarristen bedarf es all meiner Heterosexualität, um nicht ein bisschen zu sabbern, aber eigentlich geht es hier ja um Musik. Die ist mehr als ordentlich und in zwei extrem gutturalen Gesangsstilen anstrengend und bewusst wenig eingängig an Mainstream-Ohren vorbeigekloppt. Bei CRIMSON DEATH möchte man ein kleines bisschen aus den Augen bluten, nur um als Zuhörer dem tief dämonischen Sound gerecht zu werden.

Nun lauert der Headliner in den Startlöchern: MEISTER SCHEISZE feiern die Veröffentlichung ihres ersten Albums „Kot für die Welt“. Der augenscheinlich wahnsinnige Drummer Meister TB creept in absurden Posen auf der Bühne herum, die mit Kloschüsseln und Toilettenpapier dekoriert ist, und bald darauf wehen die kotbeschmierten Mäntel im Bass wunderbaren Death Metals. Bei „No Campari, No Party“ wird von einem Model Schnaps direkt in die Kehlen der durstigen Fans gekippt. „Urlaub From Outer Shit“ geht dann so ultimativ ab, dass auch der letzte im Raum zum „Jünger des feinsten Kots“ wird. Inmitten der musizierenden Kotisten steht Meister T, der als Scheiße-König mit jedem Growl ein Stück seiner Seele in das Mikrofon brüllt. Das einzige, was dieser hervorragenden Band für den absoluten Erfolgsdurchbruch fehlt, ist Aufmerksamkeit. Ich kenne nichts, was im komödiantischen Extreme-Metal mehr Stimmung machen würde als MEISTER SCHEISZE. Beim Welthit „Entschuldigung, Ihr Penis Brennt“ ist plötzlich die Gitarre vom schnuckeligen Meister E im Eimer, der in logischer Konsequenz auf dem Laubbläser weiterspielt, mit dem eben noch Klorollen ins Publikum geschossen wurden. Was für ein gelungener Auftakt von MEISTER SCHEISZE in eine neue Ära mit dem Titel „Kot für die Welt“!

An die übertriebene Stimmung des Party-Death-Metals der Protagonisten anzuschließen, ist schwierig, aber DEVASTATOR machen ihre Sache alles andere als schlecht. Derbe durchgeknüppelte Death-Musik, die hier nicht im Geringsten als Rausschmeißer-Mucke funktioniert. Solide, hart und begeisternd! DEVASTATORs Death-Metal-Höllenfeuerwerk und der erreichte Pegel an Party und Promille verschwimmen zu einem erfolgreichen Abschluss eines genialen Konzertabends.