Lacuna Coil Forever Still Genus Ordini Dei

Jan Termath
Fotograf


Helen Gerhardt
Redakteurin


26.10.2016


Lacuna Coil

|| Forever Still || Genus Ordini Dei ||

Astra Stube, Hamburg

Ende Oktober, kalt, herbstlich. Aber all das macht nichts aus, wenn man zu einem Konzert ins Logo in Hamburg geht! Denn das Logo ist dafür bekannt, dass es hier bei hohem Fanaufkommen auch sehr warm wird.

Den Abend, der LACUNA COIL gewidmet ist, leiten Genus Ordinis Dei ein, eine der beiden Vorbands von LACUNA COIL. Die Symphonic-Death-Metaler – ebenfalls aus Italien – dürfen sich am Hamburger Publikum erproben und schaffen es sogar, dass manche Köpfe begeistert zu den harten Riffs und Growls mitwippen, die sie ihnen entgegenschmeißen. Schon zu diesem Zeitpunkt ist das Logo gut gefüllt aber es zeichnet sich ab, dass diese Masse erst einmal in Schwung gebracht werden muss.

Zum Ende hin schaffen sie es auch, die Menge etwas anzuheizen.

Daraufhin dürfen dann FOREVER STILL das Ruder übernehmen, die zweite Vorband des Abends. Die Rocker aus Dänemark mit weiblichem Leadvocal und ehrlichen, emotionalen „in-your-face“-Songs treten direkt offensiv auf. Songs wie „Miss Madness“, „Save me“ und „Scars“ greifen die bereits durch Genus Ordinis Dei kreierte Stimmung auf und verschärfen sie zusätzlich, sodass etwas mehr Köpfe wippen. Das Publikum scheint so langsam erwacht zu sein und die Wärme im Logo hat sich zu diesem Zeitpunkt schon gestaut, Frieren also unmöglich.

Nach einer weiteren Umbaupause folgen endlich LACUNA COIL, denen schließlich dieser Abend gehört. Die Band, die in letzter Zeit viel zu kämpfen hatte auf Grund von Mitgliedsverlusten  und Umstrukturierungen, startet direkt mit einem neuen Song – „Ultima Ratio“ – vom brandneuen Album „Delirium“, welchem diese wirklich ausgedehnte Tour gewidmet ist. Was die beiden Vorbands an Stimmung aufgebaut haben, nutzen LACUNA COIL wunderbar aus.

Kurz nach dem Einstieg geht es auch schon weiter mit „Spellbound“, ein etwas älterer Song. Kaum Zeit zum Durchatmen. LACUNA COIL preschen vorwärts, präsentieren anschließend den Song „Die and Rise“. Darauf folgt ein Klassiker, der erstmalig das gesamte Publikum dazu verleitet, kraftvoll die Stimme zu erheben und textsicher mitzusingen. Die Stimmung steigt dadurch ungemein und das Publikum wirkt etwas gelöster als noch zuvor. Das Eis zwischen Band und Publikum scheint endgültig gebrochen, LACUNA COIL an diesem Abend endlich angekommen zu sein.

Ein authentisch wirkendes „Moin, Moin“ begrüßt noch einmal seitens Band das Publikum, aber viel mit Reden ist an dem Abend einfach nicht. LACUNA COIL zeigen auf der Bühne genau das, was sich durch das neue Album „Delirium“ angekündigt hat: eine neue, offensive Härte, die voranprescht und nicht abwartet.

Weiter geht es mit „Blood, Tears, Dust“ (Delirium), „Ghost in the Mist“ (Delirium) und einem der älteren Songs, „The Ghost Woman And The Hunter“.

Wippende Köpfe, vereinzeltes Mitsingen oder auch -gröhlen erfüllt das Logo, während die Musiker um Cristina Scabbia und Andrea Ferro den Fans ihre Riffs um die Ohren schmeißen. Ein bisschen schade an dieser Stelle ist, dass der Sound stellenweise nicht optimal wirkt, eher als lautes Ensemble von Tönen am Ohr vorbeifliegt, mehr jedoch nicht. Der Gesang seitens Cristina Scabbia und Andrea Ferro weiß das jedoch hinreichend zu kompensieren, wenn man von Kompensieren sprechen kann. Aber länger kann man sich darum keine Gedanken machen, denn dann folgen auch schon „Trip The Darkness“, „Downfall“ (Delirium) und „Love Me ‚Cause I Hate You“ (Delirium) und reißen die Fans auch wieder mit sich. Die Hitze im Logo staut sich, macht aber offensichtlich wenigen etwas aus, man ist es ja schließlich gewöhnt.

Nach „End Of Time“ folgt ein Cover von Depeche Modes „Enjoy The Silence“ und an dieser Stelle ist das Publikum voll und ganz bei der Band, singt mit, übernimmt sogar mit Anleitung durch Cristina selbständig einen Gesangspart. Kaum jemand steht hierbei still oder teilnahmslos, manche singen sogar mit geschlossenen Augen – vermutlich, um die Stimmung noch tiefer in sich aufzunehmen, die durch dieses wirklich gut umgesetzte Cover entsteht.

Noch etwas geflasht von dem Cover folgt nun „Nothing Stands in Our Way“. Cristina kündigt das Lied an und lässt die Menge ein paar Male „We fear nothing!“ rufen. Das hat eine leichte selbstsuggestive Wirkung, es kann schließlich nicht schaden sich dies zu verdeutlichen – wo könnte das besser sein als auf einem Konzert unter seinesgleichen?!

Nach diesem eindringlichen Song verabschieden sich LACUNA COIL recht unspektakulär von der Bühne. Es ist klar, sie werden noch einmal die Bühne entern. Wenigstens für ein paar Songs. Nach einer kurzen Pause sowie den üblichen „Zugabe!“-Rufen kommen LACUNA COIL tatsächlich noch einmal für drei Songs auf die Bühne und lassen es krachen: „Delirium“ vom gleichnamigen Album, „Zombies“ und „The House of Shame“.

Mit diesen drei Zugaben wurde das Publikum, nach dem Verteilen von Drumsticks und Danksagungen, in die Nacht verabschiedet.


LACUNA COIL liefern an diesem Abend eine solide Show mit ausgewogener Setlist und machen noch einmal deutlich, wie sehr sie ihren eigenen Weg verfolgen und sich hierin vor allem nicht aufhalten lassen. Das kaum Durchatmen können zwischen den Songs untermalt diesen Eindruck und man darf gespannt sein, was von den Mailändern zukünftig noch kommen wird mit diesen doch neueren, härteren Tönen.

Was wiederum etwas schade ist: zwei Vorbands nehmen viel Zeit eines solchen Abends in Anspruch, LACUNA COIL selbst hätten mit etwas mehr Zeit möglicherweise noch den ein oder anderen Schmankerl ihres Repertoires spielen und vor allem noch deutlicher machen können, dass der Abend ihnen gehört. Aber wie so vieles ist auch dies selbstverständlich Geschmackssache.