Imminence Clearval A Journey Home Arktis

Jan Termath
Fotograf


Christopher Schmidt
Redakteur


31.03.2016


Imminence

|| Clearval || A Journey Home || Arktis ||

Bar 227, Hamburg

Der letzte Tag des Monats März steht an und IMMINENCE laden in die gemütlich-urige Bar227. Das Wetter zeigt sich liebevoll mild und so greift man sich zwei Bier und schlendert, im Slalom um blau weiße Mannschaftswagen des örtlichen Beamtensportvereins herum, los. Oder sollte man lieber „stampft, marschiert oder schreitet“ schreiben? Schließlich geht es zu einem Hardcore-Metal-Sonstwas Konzert, dort wird geballert und gescheppert, gebrüllt, sich geschubst und Fäuste werden sicherlich auch fliegen. Man setzte das Wort seiner Wahl ein und achte darauf kein Klischee auszulassen.

Als man in einiger Entfernung die vor der Bar wartenden Musikbegeisterten erblickt, staunt man nicht schlecht. Für einen Donnerstagabend ist der Veranstaltungsort sehr gut besucht und die vielen Besucher lassen meine Erwartungen, gerade an die Acts vor IMMINENCE, deutlich steigen.

Das erste Riff haut CLEARVAL heraus und klassische Gitarren-Stimmgeräte können einpacken, es wird richtig tief! Zu viert legen die Jungs gut vor! Der Gesang wechselt oft in seinen Lagen, von cleanen zu brachialen Passagen ist hier alles vertreten. Mich erinnert das Gitarrenspiel an einen modernen Mix aus Metalcore und „Oldschool“-Riffs aus den Händen von Korn’s Munky & Head. Zum Ende ihrer musikalisch guten, teils allerdings schüchternen Bühnenperformance, spielen Claerval ihre Songs „Thief of Light“ und „Failure“. Das zahlreiche Publikum spendet ordentlich Applaus!

Als zweite Band des Abends reißen A JOURNEY HOME das Ruder an sich und mit Ihnen kommt ordentlich Bewegung auf die Bühne. Dass hier, im Gegensatz zu Claerval, ein zusätzlicher Künstler am Werke ist, kommt der musikalischen Vielfalt zu Gute. Den zierlichen Bühnenabmessungen und der eigenen Lust auf Körperkontakt geschuldet, schlägt einer der Gitarristen kurzerhand sein Lager vor der Bühne auf. Damit ist der Sicherheitsabstand zur der sich wild bewegenden Band aufgehoben. Ihr Sänger folgt dem Spektakel kurzerhand und somit wären die Übergänge zwischen Publikum und Band nun fließend, wären die Jungs nicht so häufig mit dem Rücken zu uns gedreht. Nach fünf Liedern ist das musikalisch anständige Workout beendet und die vielen Gäste ziehen sich zur Entspannung der Gehörgänge an die frische Luft zurück.

Waren die bisherigen Acts Hamburger Eigengewächse, folgt nun ein Auftritt der Hannoveraner ARKTIS, bekannt durch Ihr „Flash mich“-Cover. Vielleicht mehr als das Original, lädt das Cover zum Tanzen ein und das Publikum nimmt die Einladung gerne an. Ihre deutschsprachigen Titel reichen von „Herz“ und „Gold“ zu „Weiß“ und die Spielzeit und musikalische Ausarbeitung nimmt deutlich zu. Man merkt den Hannoveranern ihre Erfahrung gegenüber den lokalen Acts deutlich an. Der Kontakt zu dem Publikum ist hergestellt und erste Feuerzeuge (!) sind an diesem Abend zu sehen. Reibungslos läuft auch das Einbinden von Samples ab, die Rhythmusfraktion spielt zielsicher und tight. Mit „Meta“ beenden die Jungs ihren Auftritt und das weiterhin zahlreiche Publikum macht sich für den heutigen Hauptact IMMINENCE bereit.

„Würde man IMMINENCE morgen als Vorband von Bring Me The Horizon spielen lassen…“

Machte ich mir bis hierhin vorsichtshalber Notizen zu den jeweiligen Besonderheiten der auftretenden Bands, wanderte das kleine Büchlein schon nach den ersten Tönen von IMMINENCE in die Jackentasche. Die Herren aus Malmö präsentieren eine Ausstrahlung, die vor Lust, Leidenschaft und Professionalität strotzt und Ihre Musik zieht gnadenlos mit. Die doch recht limitierte Anlage der Bar227 ist nicht wiederzuerkennen, es drückt und erklingt in einer Breite, dass man sich schwer vorstellen kann, die Bar227 habe jemals einen besseren Sound gehört. Möglich wird dies vor allem durch die intensive Nutzung von Einspielern und Extralines vom Band. Wie „true“ das noch ist, muss jeder für sich selber entscheiden und hier mag man den einzigen Kritikpunkt am Auftritt der Schweden finden. Die „Growls“ vom Gitarristen sind unterlegt mit mehreren „Kriegern aus Sparta“ und des Sängers Unterstützung sprudelt in Form von feinst eingesungen Chören aus den Boxen. Für Auftritte in Clubs mit den Möglichkeiten der Bar227, scheint dieses Konzept optimal zu funktionieren. Der Saal geht mit, sing mit, bewegt sich! War das Level an diesem Abend jederzeit hoch, merkt man dennoch schnell: Hier spielt eine Band die hoch hinaus will und kann. Würde man IMMINENCE morgen als Vorband von Bring Me The Horizon spielen lassen, das Publikum würde sich begeistert mitreißen lassen. Mit dem bekannten „Wine & Water“ und „Last Legs“ endet ein gelungener Konzertabend mit der wärmsten Empfehlung: Hört euch IMMINENCE an und besucht weiterhin Konzerte der lokalen Musiker. Näher kommt ihr der Musik nicht!