Fraktus

Jan Termath
Fotograf


Jazz Styx
Redakteur


02.02.2016


Fraktus

Große Freiheit 36, Hamburg

FRAKTUS sind auf ihrer „Welcome to the Internet“-Tour 2016. In der 2012er Mockumentary „FRAKTUS – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ über die vermeintlichen Pioniere des Electro schlüpft das als Studio Braun bekannte Trio aus Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger (auch das sind Künstlernamen) in die Rollen der FRAKTUS-Musiker Torsten Bage, Dirk „Dickie Starshine“ Eberhard und Bernd Wand. Nach dem Film folgt die Tour und nun das neueste Album „Welcome To The Internet“ mit einer weiteren Tour, die zum Abschluss sogar an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die Große Freiheit 36 in Hamburg füllt – und das am Dienstag und Mittwoch. Es folgt ein Bericht in Zitaten überwiegend fiktiver Konzertbesucher.

„FRAKTUS sind awesome! Vor allem Bernd ist der Shit mit seiner ‚Bomb of Love‘ und dem total trippigen Mary-Poppins-Song. Oder das Videospiel ‚Smirkey’s Dope House‘! Hat Bernd einfach mal auf der Bühne durchgezockt. Wie das abgeht, Alter! Ich check nur echt nicht, warum sonst kaum jemand gedancet hat. Hamburg, was los? Paaaarty!“ (Jonny Unicorn, 24, hibbeliger Raver-Druffi)

„Also, mir war das ja ein bisschen zu laut, aber wenigstens haben FRAKTUS noch richtig Gehalt. Das feine Spiel mit der Ironie. Erst nennen sie ihr Genre ‚Rock ’n‘ Roll‘ und dann ‚Sizzeling Hot‘. Aber auch die Songtexte: Zum Beispiel in ‚Affe sucht Liebe‘ finden sich die Motive Naturschutz und Einsamkeit, mit denen sich ja jeder irgendwie identifizieren kann.“ (Frau Süßwurtz-Oberschmidt, 38, Deutschlehrerin)

„Grauenvolle Musik! Bis auf die Querflöte!“ (Mirco Friedrich, 23, Jazz-Bass-Student)

„Torsten ist ein guter Mann! Aus der Mitte der Gesellschaft. Ein Arbeiter-Typ. Man merkt richtig, welche Songs von ihm sind. Hier, ‚Maler und Lackierer‘ oder ‚Kleidersammlung‘. Der ist halt einer vom Volk geblieben, bodenständig.“ (Gert Maurer, 52, Kraftwagenfahrer mit ostdeutschem Migrationshintergrund)

„Ohne FRAKTUS, glaube ich, wäre ich nie auf die Idee gekommen, selber Musik zu machen.“ (HP Baxxter, 52, „Hyper Hyper“-Hyper im FRAKTUS-Film)

Wer Techno erfindet, muss auch „B“ sagen.

„In ‚Schuhe aus Glas‘ heißt es: ‚Bruder aus Sand, Schwester aus Tee, Mutter aus Zimt und ein Vater aus Mohn.‘ Ich habe erstmal eine Familienaufstellung gemacht. Da dachte ich schon, dass ich die drei Herren gern mal bei mir auf der Couch sehen würde, aber spätestens im Song ‚Die Toten schauen dir beim Wichsen zu‘, in dem quasi alle denkbaren Familienmitglieder als verstorben und zugleich sexuell relevant gelistet werden, wird es ernsthaft pathologisch.“ (Jannike Wühler, 30, Psychotherapeutin)

„Ich fand ja die alten FRAKTUS besser! Damals vor der Reunion, als die noch progressiv waren. Klar, ‚Freunde sind Friends‘ hat auch ’ne nice Message für die Smartphone-Kiddies, aber früher war das Four-to-the-floor halt noch der neue heiße Scheiß. ‚Welcome to the Internet‘ ist mir zu modern, zu mainstreamig. Aber ich gönne ihnen den Erfolg.“ (Egon Milcher, 17, wäre gern früher geboren)


„Alles in allem ein gelungener Konzertabend. FRAKTUS setzen auch live ihre gelungenen Blödeleien und witzigen Seitenhiebe auf die elektronische Musik konsequent fort und erlauben einen weiteren Einblick in die überzogenen Nicht-Existenzen drei tragikomischer Musikerfiguren, die man in ihrem Kinofilm kennenlernen durfte. Das Konzept macht nach wie vor Spaß, hat aber auch hier und dort Längen, die jedoch meist eher in den Songs als in der Comedy liegen. So werden die Mitsing-Parts vom Publikum bestens begleitet, aber die Tanzbereitschaft könnte im Black Metal kaum geringer sein. Nichtsdestoweniger sind FRAKTUS auch mit ihrem neuen Album ‚Welcome to the Internet‘ – auch live – ein ganz besonderes Ereignis für Ohr und Auge!“ (Jazz Styx, 27, eigentlich Metalkonzerte-Redakteur)