Fiddler's Green Bodh'aktan

Jan Termath
Fotograf


Pia Krah
Redakteurin


06.03.2015


Fiddler's Green

|| Bodh'aktan ||

Fabrik, Hamburg

Die Speedfolk-Rocker von FIDDLER’S GREEN feiern 25 Jahre Bandjubiläum und lassen all ihre Fans auf der “25 Blarney Roses Tour” kräftig mitfeiern, nachdem sie im Februar bereits das gleichnamige und ihr erstes Best Of-Album veröffentlich haben. Am 6.03.2015 stoppen die Deutschen, die man von ihrer Musik her leicht für Iren halten könnte, in der Hamburger Fabrik und bringen als Support BODH’AKTAN aus Kanada mit.

Die Fabrik ist anders als typische Konzertsäle. Sehr verwinkelt, viel Fachwerk und bestehend aus zwei Ebenen, ergibt sich schon beim Betreten ein ganz anderes Flair, aber dies scheint auch wiederum ganz gut zum bevorstehenden Abend zu passen. Fast der ganze Konzertsaal ist von der oberen Ebene überdacht, außer im mittleren Streifen vor der Bühne. Anders als beispielsweise in der Hamburger Großen Freiheit 36 hat man nicht zwingend die besten Aussichten, wenn man sich einen Platz auf den Balkonen ergattert. Dennoch sind beide Ebenen gut befüllt.

BODH’AKTAN als Support hätte nicht besser gewählt sein können. Ein grandioser Mix aus traditionellem Irish Rock, Hardrock sowie Polka und Punk erwartet die Fans gleich zu Beginn der Show. Die siebenköpfige Band bringt fast doppelt so viele Instrumente mit auf die Bühne. Neben den normalen Gitarren und Schlagzeug werden Violine, Flöte und Akkordeon eingesetzt. Die gute Laune und auch die Energie der Kanadier auf der Bühne sind ansteckend und schon bald hüpft und klatscht die ganze Fabrik. Und das, obwohl sich die Jungs scheinbar kaum groß auf der Bühne bewegen. Durch eine sparsame Beleuchtung, besonders an den Außenseiten der Bühne, wundert man sich das ein oder andere Mal, wo denn der Gesang her kommt. Bei genauerem Hinsehen stellt man dann fest, dass ein singendes Bandmitglied nur grade ungünstig im Schatten unterhalb der Balkone steht, die die Bühne überragen. Die 30 Minuten Spielzeit von BODH’AKTAN vergehen dennoch wie im Flug und man könnte schon fast meinen, der Headliner steht bereits auf der Bühne, so gut ist die Stimmung im Publikum. Für all diejenigen, die noch nicht mitbekommen haben sollten, wie die Band, die gerade auf der Bühne steht, überhaupt heißt, war man so frei, den Bandnamen einige Male gesanglich zu buchstabieren. Ein Schmunzeln kann man sich dabei nicht verkneifen, zumal der Name, auch buchstabiert, nicht unbedingt einfach zu merken ist. BODH’AKTAN schließen ihren Auftritt mit einer Coverversion von AD/DC’s „Highway to Hell“ ab, was die Stimmung schon auf den ersten Höhepunkt des Abends treibt. Eher widerwillig lassen die Fans BODH’AKTAN von der Bühne gehen.

So aufgewärmt, wie die Fans nun sind, haben es FIDDLER’S GREEN leicht, die Laune oben zu behalten und wenn nicht sogar noch mehr zu steigern. Nach einer recht kurzen Umbaupause stehen die Speedfolk-Rocker auch schon startklar auf der Bühne und eröffnen ihren Teil der Show mit „Take Me Back“. Die sechs Jungs aus Erlangen, das sind Ralf „Albi“ Albers (Gesang, Akustikgitarre, Busuki, Mandoline, Banjo), Pat Prziwara (Gesang, Gitarre, Banjo), Stefan Klug (Akkordeon, Bodhran), Tobias Heindl (Violine, Gesang), Frank Jooss (Schlagzeug, Perkussion) und Rainer Schulz (Bass), zeigen, dass sie in den 25 Jahren Bandgeschichte nur besser geworden sind und ordentlich feiern können. Während der gesamten Show wird bis in die hinteren Reihen geklatscht, getanzt, mitgesungen und FIDDLER’S GREEN machen erneut klar, dass diese Band das Genre Speedfolk zu Recht beherrscht. Der Kontakt zu den Fans ist den Jungs sehr wichtig. Es wird viel interagiert und sich bei allen bedankt, dass sie so zahlreich erschienen sind. Die Anhänger in den oberen Reihen werden während der ganzen Show selbstverständlich nicht vernachlässigt. Während man oft erlebt, dass eine Band auf der Bühne nur das Publikum vor sich sieht, interagieren FIDDLER’S GREEN gefühlt mit jedem einzelnen. Anders als ihre Vorband bieten die Fiddlers zudem eine abwechslungsreiche Bühnenshow und zeigen viel Bewegung. Der Nachteil der teil-„überdachten“ Bühne fällt hier schon gar nicht mehr auf. Denn bei all der Bewegung auf der Bühne kann man nun auf jedes einzelne Bandmitglied immer mal einen Blick erhaschen.

Dieses Mal „Donkey Riding“ wird der traditionelle Marsch durch die Menge nicht ausgelassen und natürlich darf auch ein Akustikset nicht fehlen: „Mary Mack“ sowie zwei Coversongs, „The Irish Rover“ sowie „Dirty Old Town“. Nach „Rocky Road to Dublin“, einem alten bekannten irischem Volkslied, ist auch die Coverphase wieder vorbei und es geht weiter mit eigenen Songs wie „Shut Up and Dance“ (was den Fans einen Kick gibt, wieder härter weiterzumachen als bisher). Für „Fields of Green“ werden sogar BODH’AKTAN noch einmal mit auf die Bühne geholt. Mit „Folk’s Not Dead“ beenden die Veteranen das Hauptkonzert nach 25 Songs (welch Zufall, könnte man sich denken) vorerst. Aber wahre Fans wären keine wahren Fans, wenn sie es nicht schaffen würden, FIDDLER’S GREEN für noch zwei Zugaben auf die Bühne zurückholen. Unter anderen wird endlich das langersehnte „Victor and His Demons“ zum Besten gegeben, bevor die Band dann doch nach insgesamt 30 Songs quer durch ihre Diskografie den Abend beendet.