Falco – Das Musical

Jan Termath
Fotograf


P. Lugosi
Stammredakteur


17.02.2017


Falco – Das Musical

Mehr! Theater, Hamburg

Zum „Jubiläum“ hört man es zur Zeit überall in Funk und Fernsehen und auch im Internet. Johann Hölzel wäre am vergangenen Sonntag 60 Jahre alt geworden, längst in die Annalen der jungen Musikgeschichte eingegangen als FALCO. In Gedenken an den österreichischen Ausnahmekünstler geht ein Musical auf Tour, welches versucht, ein zerrissenes Leben zwischen unglaublichen Höhenflügen, Tiefpunkten, ausufernden Exzessen und weltweiten Hits auf die Bühne zu bringen. Das ansehnlich gefüllte Mehr! Theater bestellt Sekt und Bier und gibt sich gespannt.

FALCO – DAS MUSICAL im Mehr! Theater, Hamburg
Wenn der Tod erst der Anfang ist …

Die anfangs modernisierte Intro-Performance auf ‚Rock Me Amadeus‘ mit allerhand Darstellern, Tänzerinnen und Tänzern inklusive Liveband gibt zwar den Ton an und lässt textverändert verlauten, dass an diesem Abend die Geschichte von „Falco Superstar“ erzählt werden soll, aber noch weiß niemand der Anwesenden so recht, wo bei dem ganzen Breakdance und „Street-Look“ die Reise hingeht. Um einen Rahmen zu geben, übernimmt Andreas Berg in der Rolle des Managers und engen Freund Falcos, nämlich Horst Bork (der auch am Drehbuch mitschrieb), die Erzählerposition und führt durch das bunt-laute Treiben.

FALCO – DAS MUSICAL im Mehr! Theater, Hamburg

1998. Dominikanische Republik. Auf den Leinwänden ist das völlig zerstörte und noch qualmende Unfallauto zu sehen, in dem Falco das Leben verlor. Ab da an werden chronologisch und anhand seines musikalischen Schaffens diverse Stationen in Falcos Leben abgeklappert. Sei es die Entdeckung bei der Band Drahdiwaderl und deren berüchtigten Hit „Ganz Wien“; der erste internationale Erfolg mit „Der Kommissar“; die Alkoholexzesse und Sexorgien („Cadillac Hotel“); der durch Starallüren durchzogene Videodreh von „Rock Me Amadeus“; der Durchbruch in den USA (bis dato erster und einziger deutschsprachiger Titel an der amerikanischen Chartspitze); die Depressionen; der „magische“ Donauinselfest-Auftritt vor fast 150.000 Zuschauern; nachdenkliche Rückblicke, in denen der Mensch Hans Hölzel mit dem absoluten Gehör sich an seine teils schwierige Kindheit erinnert (als einziger Überlebender einer Drillingsgeburt, ständige Streitereien der Eltern); die ausbleibenden Angebote; Scheidungen; Trennung von Manager und Freund Horst Bork; Comebackversuche; die Flucht in die Dominikanische Republik; die letzten posthumen Hits bis zum tödlichen Crash unter Palmen … nach einem Leben auf der Überholspur. „Muss ich denn sterben, um zu leben?“ – aus ‚Out Of The Dark‘. Falco kann bestimmt drüber lachen.

„Ein genialer Künstler, seiner Zeit voraus … der Rest ist Popgeschichte!“

Zwischen den zahlreichen, in voller Länge präsentierten Hits, werden Erzählungen, Anmerkungen und Video-Sequenzen eingestreut, um das Bild Falcos zu vervollständigen, welches nur oberflächlich gelingt, dahingehend aber auch nichts anderes verspricht.
Hauptdarsteller Alexander Kerbst verkörpert den großen „Egoisten“ außerordentlich. Aus einiger Entfernung kann man sich Hans Hölzel in Fleisch, Blut und Ton plus dem überzeichnetem Habitus vorstellen. Das vom Alter her gemischte Publikum ist sich in diesem Sinne einig, auch wenn die Meinungen über die in Form von Teufelchen und Engelchen verkörperte Zerrissenheit – Stefanie Kock (Ana Conda) und Nike Tiecke (Jeanny) – auseinandergehen und manchem als überstrapaziert rüberkommt.
Produzent Oliver Forster (auch „ELVIS – Das Musical“ und „all you need is love! – Das Beatles-Musical“) setzt in der knapp 130 minütigen Produktion ganz klar auf die Musik des österreichischen „Grenzgängers, der mit dem Leben und seiner Identität spielte und stark zu polarisieren wusste“. Randinfo: Die musikalische Leitung übernahm in diesem Fall sogar Falcos Langzeit-Keyboarder Thomas Rabitsch.
Die verschiedenen Bühnenbilder untermalen den schrillen Videocharakter der Lieder und wissen mit atmosphärischer Lichtshow, extrem lautem Sound und gut platzierten Effekten zu überzeugen. Nicht das ganz große Kino, aber immerhin gibt es im Finale Standing-Ovations, die Leute sind ziemlich begeistert, sie klatschen, trampeln und pfeifen. Erinnerungen an einen einzigartigen Star und wahrscheinlich Abschnitte der eigenen Jugend, weil alles nur viel zu schnell vorbei sein kann. „Ich habe niemandem Leid angetan, nur mir selbst, und Gott wird mir das sicher verzeihen.“


„FALCO – DAS MUSICAL“ hält was der Name verspricht: dank Alexander Kerbst ein starkes Falco-„Hologramm“, einen Best-of-Querschnitt aus der Diskographie und eine wahre Geschichte, die in Wirklichkeit ziemlich tragisch ist, wahrscheinlich deshalb fasziniert und sicherlich für weitere nostalgische Tonträgerverkäufe nach dem Abend im Theater sorgen wird. Nicht nur für Falco-Fans. Am 04. Juni gastiert das Musical ein (z)weiteres Mal im Hamburger Mehr! Theater.