Elvis Costello

Jan Termath
Fotograf


P. Lugosi
Stammredakteur


14.03.2017


Elvis Costello

Laeiszhalle, Hamburg

Eine Abendgesellschaft wie diese: reife Männer mit Schlips und Fliege oder sportlich legerem, leicht geöffnetem Hemd mit hohem Kragen; Frauen und junge Damen in Abendgarderobe; lässige Alt-Rockabillies; Einzelgänger im weiten Sportpulli und Jeans sowie tattowierfreudige Mittdreißiger mit Bart in gepiercter Begleitung.
Ein derartiges Allround-Publikum wird vom britischen Allround-Musiker ELVIS COSTELLO zusammengeführt, um in der fantastischen Laeiszhalle einen „entourten“ Abend in fast privater Wohnzimmer-Atmosphäre zu verbringen.

ELVIS COSTELLO in der Laeiszhalle, Hamburg
Denn seine "Detour" präsentiert einen um sämtliche Mitmusiker reduzierten ELVIS COSTELLO, der auch ohne diese die gesamte Bühne einnimmt und nicht weniger opulent daherkommt ...

Dafür spricht schon die Bühnendeko sowie die zahlreich mitgebrachten Instrumente. Ein überdimensionaler Fernseher, auf dem zu Beginn Musikvideos des Protagonisten laufen, rundum gespickt mit 7 Gitarren, einer Ukulele und einem königsblauen Konzertflügel.
Punkt 20 Uhr stürmt ELVIS COSTELLO im schwarzen Nadelstreifenjacket plus rotem Hut die Laeiszhalle und startet in ein Programm, welches durch seine gesamte Karriere führt. Teilweise sind Songs wie ‚Everyday I Write The Book‘, ‚Watching The Detectives‘ oder ‚Accidents Will Happen‘ stark abgewandelt und aufs Grundgerüst reduziert, so dass sich diese erst beim Refrain erschließen. Die Besucher sind begeistert und freuen sich, wie Herr Costello selbst, über einen Abend in derart schönem Ambiente.

ELVIS COSTELLO in der Laeiszhalle, Hamburg

Der unter dem bürgerlichen Namen geborene Declan Patrick MacManus ist ein gescheiter, charmanter und äußerst lustiger Geschichtenerzähler. Die auf dem Bildschirm gezeigten Bilder aus dem privaten Fotoalbum ergänzen seine Anekdoten und so darf man einen Blick auf die musikalischen Eltern und Großeltern sowie den kleinen Jungen Declan am Klavier werfen.
Nach den ersten Songs pfeffert ELVIS COSTELLO sein Jacket in die Ecke und wechselt nach fast jeder Darbietung das Instrument. Besonders starke Momente ergeben sich durch den absoluten Verzicht jeglicher Verstärkung, indem sich Elvis mit seiner entstöpselten Akustikgitarre einfach neben das Mikrofon stellt und die Laeiszhalle mit ‚Alison‘ und Gänsehaut erfüllt. Ein Höhepunkt.

Blood And Hot Sauce oder Blood And Heart Songs? Beides.

Insgesamt findet Herr Costello sich unglaublich intensiv in sein Liedgut ein; die Klaviertasten sind spuckegesprenkelt und die Gitarren werden geschreddert, bevor es, mit seiner Lebensgefährtin Diana Krall gewidmeten Liedern, wieder ganz leise und gefühlvoll weitergeht. Fans dürften insbesondere die unveröffentlichten Stücke aus dem geplanten Musical ‚A Face In The Crowd’ erfreuen. Nach jedem Song lässt der Liverpooler sich wie ein Elvis P. feiern, zu recht bei solch leidenschaftlichem Einsatz.
Mehrere Autogrammjäger trauen sich zwischen den Liedern mit der Biografie „Unfaithful Music“ vor die Bühne und Herr Costello unterzeichnet gern, jedoch werden weitere Sammler vertröstet, weil es wahrscheinlich den Ablauf stört.


Mehrfach gibt es stehende Ovationen und bald muss es doch vorbei sein. Jedoch ist ELVIS COSTELLO sehr spielfreudig und lässt die Leute einfach nicht nach Hause. Einigen ist die fast zweieinhalbstündige Show zu lang, möglicherweise spielt hier der eintönige Minimalismus eine Rolle, jedoch muss man als Ein-Mann-Show so etwas in dieser Form und Qualität erstmal auf die Beine stellen. Hut ab.