Crowbar Highfighter

Jan Termath
Fotograf


P. Lugosi
Stammredakteur


15.05.2016


Crowbar

|| Highfighter ||

Hamburg

Alles neu macht die Mitte des Mai – so oder so ähnlich könnte es hier heißen. Beim Konzert von CROWBAR, supportet durch High Fighter, im Logo wurde ich von einem neuen Redakteur begleitet. Was er über das Konzert denkt, das lest Ihr hier!

Eines ist sicher und jeder weiß es: mit dem „Brecheisen“ wird sich heute Zutritt verschafft!
CROWBAR sind verlässlich und einer schweren Treue verschrieben. Lang sind sie dabei, ziehen ihr Ding ohne Kompromisse durch und bringen noch immer gute Platten raus. Entspannt mischen sie sich heute schon vor dem Auftritt unters Publikum und plauschen mit den Fans. Die „Ruhe“ vor dem Sturm.

Bevor das heute die Elbe runterfließt, stehen High Fighter bereit. In Hamburch ansässig, 2014 gegründet, haben die aber schon ordentlich Auftritte auf diversen Festivals und mit Bands wie u.a. AHAB, Electric Wizard absolviert und bringen im Juni ihr Debüt-Album „Scars & Crosses“ raus (Release-Party am 10.06. im Bambi Galore). High Fighter scheint man schon in der Szene zu kennen, dennoch sind sie heute für einige Neuland und müssen live überzeugen. Die Band kommt gut und authentisch rüber. Die wissen genau was sie machen: Heavy Stoner Blues (Eigenbezeichnung auf Facebook). Laut und lässig, schnörkellos, fette Rhythmen. Die nette Dame am Mikro und ihre deftige Stimme sei erwähnt: Bluesig, schön rauchig und extrem fiese Schreie, die so manchen Heini im Kehlschatten stehen lassen. Geballer gibt es vom kommenden Album und der vorangegangenen EP „The Goat Ritual“. Amtlich. Auch CROWBAR gucken zu. Song um Song holen sie mehr Applaus ein, verdient. Schöner lokaler Anheizer für …

… das Schwergewicht aus dem dreckigen Süden der Vereinigten Staaten von Amerika: CROWBAR!

Die Formation um Frontbart und Dauersympathisant Kirk Windstein hat noch immer das 2014er Album „Symmetry in Black“ in der Tasche, legt aber mit dem 20 Jahre(!) alten „Conquering“ los: Zur Begrüßung erst mal eins in die Schnauze. Kurzer Verwirrungstaumel und Sternchen vor den Augen. (Das dazugehörige Album „Broken Glass“ feiert anno 2016 Geburtstag. Möglicherweise ein Grund, weshalb im Laufe der Tour ein besonderes Augenmerk auf dieses Werk gelegt wird.) Nahtlos wird „High Rate Extinction“ nachgeschoben. Spätestens jetzt ist das heute hauptsächlich bärtige Hamburg richtig dabei. Köpfe und Oberkörper wippen im schweren Takt, Matten fliegen, einige Die-Hard-Fans zelebrieren jede schlammige Note, recken Arme und Bierflaschen prostend in die Höhe. Die Riffs sägen mit dickem, d i c k e m Sound und in mächtigen Schüben. Schlicht und ergreifend: D I C K ! !

Nach der insgesamt dritten Non-Stop-Tourwoche in Europa, merkt man den Jungs kaum Müdigkeitserscheinungen an. Die Übung macht’s: CROWBAR sind Liebhaber eines straffen Tourplans. Die Hamburger, die letztes Jahr im Tourneekalender vergessen wurden, spenden heute die Kraft um das Ding mit Spielfreude und guter Laune durchzuziehen. Schließlich hat man die Band, die man geil findet, in seinem Großstadt-Wohnzimmer und diese liefert geil ab, Druckwellen durchströmen den Körper und an der Bar, nur ein paar Meter weiter hinten gibt’s was zu trinken – was will man mehr?!
Aktueller Zwischenstand: Lasting Dose, New Dawn. Der verpatzte Einstieg von „Burn Your World“ wird grinsend weggestemmt, neu angesetzt, und weiter geht’s. Plötzlich steht ein Berg im Logo: „To Build A Mountain“! Heftig! Vom letzten Album „Symmetry in Black“ wird leider nur der Opener „Walk With Knowledge Wisely“ in den kleinen Hamburger Kulturraum geblasen. Solide wälzen uns CROWBAR ordentlich einen von der Palme. Ansage Kirk: „This is a Song of hope!“ … das Led-Zeppelin-Cover „No Quarter“; noch langsamer als auf Platte, kommt es unglaublich ohrenbetäubend und fett wie ein Stier daher! Alles ballert. Alter Schwede! Wer hat gesagt, dass Hoffnung leicht ist? Kirks Stimme rau wie eh und je und er hat’s voll drauf, gesanglich und spielerisch sowieso. Die Lichtanlage des Logos könnte mal wieder etwas weniger auftragen und einen Beitrag zur Atmosphäre leisten, aber na ja. Ansonsten gut eingespielte Band, es wird untereinander gescherzt, über Kirks Alter (51!) und über den berühmt berüchtigten „Balken“ auf der Bühne – alle sind gut drauf. So wie zwei Stehnachbarn im Publikum, die gleicher Meinung sind: der von Kirk als bester Drummer der Welt vorgestellte Tommy Buckley sieht mit seiner Mütze aus wie Klaus Meine von den Scorpions. Stimmt, witzig, aber egal. „Klaus“ zählt ein und es kracht weiter mit „All I Had (I Gave)“. Schlagzeugalarm! Vermisst jemand eine Horde Wildhengste, oder so?
Kurz vor Ende, nach ausreichend Hamburg-Lob, gibt es „Planets Collide“; Strom, den man fast spüren kann. Und während Kirk rau-rauer-am rauesten ins Mikro kreischt, sich in die Seite fasst um die langen Töne zu halten, alles gibt, sucht er direkten Blickkontakt zu fast jedem Anwesenden im Raum. Kleines aber kolossales Kino!
Letzter Song? „Like Broken Glass“ reißt noch mal die Leute mit und alles wird auf Riff eingedampft, bevor es eine kurze Unterbrechung – freundschaftliches Faust-an-Faust mit Freudigen aus der ersten Reihe – und dann die langsame, räudige, zähe, bullige Zugabe „Existence is Punishment“ auf unsere gottverdammte, jämmerliche Existenz gibt. Mächtig. Ende. Doch Louisiana ist heute besonders lieb zu den mehr fordernden Hanseaten, eine weitere, nicht geplante Zugabe an Soundwand wird rausgedrückt. Aus.


Knapp 80 Minuten sind rum, das Pfeifen auf den Ohren wird laut. Gutes Ding, gute Länge. Auch wenn es immer hätte mehr sein können … DER Song und DER Song … Ja ja. Lieber ein Ende mit Sludge, als ein Sludge ohne Ende. Ende Sludge, alles Sludge. Sludge hin, Sludge her. Wie auch immer. Sludge drauf. CROWBAR waren hier. Hat Spaß gemacht. Um es in Kirks Worte zu fassen:
„This is fucking CROWBAR from New Orleans! Have a good time, get drunk, buy Merch, be safe!“

Postskriptum:
Ein neues Album soll bald kommen, und schon im November mit Overkill back in Germany. What the Fuck!?! Aber leider nicht in Hamburch …