Breathe In The Silence Heartbound He Is Ledger Across The Divide

Jan Termath
Fotograf


Jazz Styx
Redakteur


08.09.2016


Breathe In The Silence

|| Heartbound || He Is Ledger || Across The Divide ||

Bar 227, Hamburg

Die Hamburger Bar 227 – klein und bewusst nicht gerade fein – öffnet die Türen für das einzige Deutschland-Konzert von BREATHE IN THE SILENCE. Weil die Bühne kaum groß genug ist für die Musiker, ist der Übergang zwischen Band und Zuhörerschaft – beide etwa gleichgroß – verschwommen. Unterstützt von ACROSS THE DIVIDE, HE IS LEDGER und HEARTBOUND wurde hier ein schönes Programm von Metalcore, Post-Hardcore und Progressive Metal zusammengestellt – und das nonprofit durch Vendetta Booking: „Alles für den Metal!“

Startschuss. HEARTBOUND wurden an den 30 Minuten verspäteten Anfang gestellt, was dem Konzert einen Kaltstart von gemütlich auf brutal beschert. Dass die Fünf in ihrer Härte auch keinen Millimeter an Gefühl einbüßen, macht das äußerst schwach besuchte Event ein bisschen traurig. Dieser Metalcore verdient mehr Publikum, ist er doch deutlich hörenswerter als so manche etablierte Shouting-Kapelle. Da die kleine Bar 227 jedoch das ungefähre Format eines mittleren Wohnzimmers hat, ist der Raum immerhin vollständig von mit EDM angereichertem Core zwischen Cleangesang und Shouting gefüllt, der seine interessanteren Parts in den elektronischeren und härteren Passagen hat. Hamburger Metalcore erster Güte.

Zwei – die Zahl für HE IS LEDGER. An zweiter Position des abends stehen nur zwei Musiker auf der Bühne, zudem zwei Bildschirme, die zwei Sänger zeigen – die gleichen zwei Musiker noch einmal. Man kann sich nun streiten, ob das ein Auftritt einer Band oder das Abspielen einer Playlist mit Begleitung durch Bass und Gitarre ist. Man kann aber auch den wunderbaren Progressive Metal genießen, den die zwei Saiteninstrumentalisten in die Zuhörerohren hineingrooven bis -schreddern. Der Stoff ist stark, sehr stark! Viel zu stark für so wenig Publikum.

ACROSS THE DIVIDE sind aus Frankreich angereist und legen mit elektronischen Grundbausteinen ein Fundament für exzellenten Metalcore, dessen Breakdowndichte von „kaum“ bis „beinahe übertrieben“ reicht. Die Cleanparts sind vom Band, was in diesem Fall leider störend wirkt, die Shouts sind live. Wer klassischen Metalcore mag, bekommt bei ACROSS THE DIVIDE aber wirklich viel geboten. So sind sie definitiv der Stimmungshöhepunkt des Abends: sogar mit Mini-Pogo, Sturz des Sängers aufgrund des zuvor selbst verspritzen Wassers und ein paar kleinen Violent-Dancing-Einlagen. Bitte merken und nächstes Mal den Raum nicht so leer lassen!

Zuletzt wird’s britisch: BREATHE IN THE SILENCE schließen an ihre Metalcore-Vorgänger an, gehen aber noch einen schritt weiter und werden so überwiegend zu Post-Hardcore. Die Waliser rocken solide, gefühlvoll und nur selten metallig mit einer leicht punkigen Indie-Rock-Aura. Die überwiegend klaren Vocals provozieren nicht gerade Moshpits, aber unbewegt bleiben die Publikumsbeine auch nicht. Doch nach dem vorherigen Abriss ist das schon fast ein bisschen ein Downer – nur fast! Auch mit Tracks von ihrer neuen EP „Hold My Heart“ lassen BREATHE IN THE SILENCE einen kleinne, leider sehr schlecht besuchten Konzertabend in der Hamburger Bar 227 ausklingen.