Breathe Atlantis Arktis

Jan Termath
Fotograf


Jazz Styx
Redakteur


10.11.2016


Breathe Atlantis

|| Arktis ||

Hafenklang, Hamburg

Der vom bitterkalten Wind ins Gesicht gepeitschte Schneeregen ist das Lieblingswetter jedes Fahrradfahrers. Das Hafenklang ist Hamburgs fancy Schickimicki-Lokal Nr. 1 – weit weg vom Wasser. Die Härte von Metalcore und die melodiöse Eingängigkeit von Popmusik können sehr gut zusammenpassen. Eine der letzten drei Aussagen hat einen viel höheren Wahrheitsgehalt als die anderen beiden. Dieser entsprechend finden sich heute ARKTIS und BREATHE ATLANTIS im Schutze des punkigen Hafenklangs am Elbufer zusammen und trotzen dem ungemütlichen Novemberwetter.

ARKTIS starten gleich mit ihren beiden wohl bekanntesten Songs, dem Forster-Cover ‚Flash mich‘ und dem genialen ‚Gold‘. Zum Ausflippen war das leider ein zu plötzlicher Kaltstart für das kleine Publikum, aber über ‚Nekrolog‘ mit dem bestechend einfachen und gerade dadurch dominant groovenden Bass und das ausgezeichnete Cover von Oerdings ‚Alles Brennt‘ steigert sich die Stimmung sehr. Die Mischung aus Metalcore mit Post-Hardcore und den vielen Deutschpop-Coverversionen entspricht auch live der Großartigkeit der Debüt-Doppelplatte „Meta“.

Beim der weltpolitischen Situation gewidmeten ‚Hurra die Welt geht unter‘, mehr aber noch bei Kollegahs ‚King‘ versucht sich der ausstrahlungsstarke Frontmann Benny sogar am Rappen, auch wenn seine Gesangsstärken wohl eher in den gänzlich eigenen Songs ‚Herz‘ und ‚Meta‘ durchkommen. ARKTIS – ganz in Schwarz und Weiß mit sehr heller, einnehmender Bühnendekoration – zeigen hervorragend, was sie können. So ist reinste Zustimmung vorhanden, als ein Gast anerkennend erklärt: „Die gehören doch auf eine viel größere Bühne!“

Weiter geht es mit BREATHE ATLANTIS, die zunächst sehr soft und etwas college- bis punkrockig rüberkommen und eher indie- bis poprocktypisch nonverbale Laute mitgesungen wissen wollen. Auch sie versuchen sich eigentlich am Spagat zwischen Metalcore und Popmusik. Das gelingt in den harten Parts solide und in den sehr soften Parts sogar beeindruckend gut, aber dazwischen irgendwie nicht oder jedenfalls für einige im Publikum nicht – die größte Ausnahme bildet der beeindruckende „Pumper McRaverdance“ in seiner frenetischen Tanztrance direkt vor der Bühne. Wegen der sympathischen und höchstmotivierten Ausstrahlung der Essener wünscht man BREATHE ATLANTIS ein teilweise anderes, gerne größeres, wahrscheinlich jugendlicheres Publikum und möchte sich geradezu entschuldigen, heute Abend nur wenig Zugang zu ihrer Musik gefunden zu haben. Wer sich nach diesen gemischten Worten selbst ein Bild machen mag, sei mit der starken neuen Platte „Futurestories“ mehr als herzlich dazu eingeladen – besondere Tipps: das sehr poppige ‚Goddess Of My Kingdome‘ und noch mehr das wunderschön ruhige ‚Incomplete Universe‘.