Behave or Behead Tour Declare Your Funeral Last Remaining Light Throbbing Pain Awaiting Downfall Centrate Valyrium

Jan Termath
Fotograf


Jazz Styx
Redakteur


27.02.2016


Behave or Behead Tour

|| Declare Your Funeral || Last Remaining Light || Throbbing Pain || Awaiting Downfall || Centrate || Valyrium ||

St. Pauli Rock Café, Hamburg

„Behave Or Behead“ ist der Name einer Konzerttour, bei der in der ersten Hälfte des Jahres 2016 je nach Station verschiedene noch eher kleinere Metalbands diverser Spielarten ihre dezibellastigen Werke auf die Trommelfelle der geneigten Zuhörerschaft projizieren. Die Station am 27. Februar ist das charmant-herzliche Rock Café am Rande der Hamburger Reeperbahn, wo folgende Bands ihre Schallwellen durch Raum und Zuschauerkörper senden: CENTRATE, VALYRIUM, LAST REMAINING LIGHT, AWAITING DOWNFALL, THROBBING PAIN und DECLARE YOUR FUNERAL.

Besonders viel los ist leider nicht, als CENTRATE beginnen. Sie spielen Metal aus einer Zeit vor den 3,5-Akkord-Core-Geschichten und dem 08/15-Popsong-Metalzeug: eine ganz eigene Kreation auf der Basis von klassischem Thrash Metal mit nicht untypischer Death-Note. Mitunter finden sich Groove- und Nu-Metal-Elemente rund um die interessanten, aber nicht übertrieben verfrickelten Gitarrensoli. Dabei strahlt die sympathische Metaller-Truppe eine allürenfreie, ansteckende Lust auf harte, starke, echte Klänge aus. „Weniger Show, mehr Metal!“, könnte der Untertitel des Auftritts von CENTRATE, aber auch ihrer absolut hörenswerten EP „Tiger Force“ sein.

VALYRIUM schmeißen gleich zu beginn das Mikrofon von der Bühne – allerdings nur versehentlich. Der Sänger Sven wechselt zwischen einem recht eigenen, tiefen Klargesang und vereinzelten Shouts. Prima Kontrast, auch wenn die Stimme anfangs etwas zu unpräsent ist, dafür jedoch in den ruhigen Parts beeindruckt. Gleichermaßen Abwechslungsreich sind die Beiträge der Instrumente: mal verträumt melodisch und mal hart an Bass und Drumms durchgeprügelt. Zwischendurch – nur für einige Momente – mutet die Musik an wie die Groove-Metal-Variante von US-Indie-Punk, dann wieder erscheint dieses Gefühl jedoch vollkommen unangebracht. VALYRIUM machen ihr Ding, kämpfen dabei ein kleines bisschen mit der etwas skurrilen Unsicherheit des Frontmanns, gewinnen aber genauso wieder durch die ungezügelte Spielfreude des jüngst hinzugestoßenen Gitarristen Phillip. Definitiv einen Konzertbesuch wert!

Schluss mit kompliziert, jetzt gibt’s aufs Maul!

Drei superbrutale Schreie, Deathcore-Geknüppel und der erste Breakdown nach weniger als 30 Sekunden: LAST REMAINING LIGHT aus Dresden strapazieren die Ohren und vielleicht sogar die Struktur des Gebäudes ab dem ersten Moment. Nach der vorangegangenen Komplexität tut die gewisse Einfachheit dieser Voll-auf-die-Fresse-Klänge einfach gut. Großartig ausgereizte Steigerungspassagen, endlos ausgespielte Breakdowns und im Verlauf des Konzerts eine Vielseitigkeit und doch wieder einkehrende Komplexität bis weit in Death-Metal-Gefilde. Auch der von Gitarrist Mike beigesteuerte Klargesang ist nicht zu verachten, auch wenn die Stärke von LAST REMAINING LIGHT eindeutig in den ultrabrutalen Parts liegt, die von Sänger Toms mächtiger Stimme dominiert werden. Großes Kino für die Ohren, jetzt auch mit erster Single online: „Broken Lines“.

AWAITING DOWNFALL sammeln erste Sympathiepunkte schon vor Beginn ihres Auftritts: Unter anderem tragen sie Shirts der Bands Neaera und Surface. Während es wenig an den Metalcore-Klängen zu meckern gibt und vor allem das Gitarrenspiel eine gewisse Besonderheit in die sonst weitgehend gewohnte, aber absolut solide Genremusik bringt, kann der Gesang leider kaum mit den Instrumenten mithalten. Das ist eindeutig, aber leider unbehoben auch ein Abmischproblem, was sich im Vergleich mit den Studioaufnahmen auf dem sehr gelungenen Erstlingswerk „No One Will Be Spared“ leicht feststellen lässt. Doch die jungen Musiker haben richtig Spaß an der Bühne und albern eifrig herum. So wird zum Beispiel die Ankündigung ihres „hoffentlich bald“ erscheinenden Albums durch einen Tusch des Drummers kommentiert. Hoffentlich bleibt das kein Witz!

THROBBING PAIN bringen dann Oldschool Death Metal auf die kleine Bühne: Die tiefe Stimme, das Schlagzeug und der Bass lassen den Raum tatsächlich erbeben. Dazu gesellt sich doppeltes Gitarrengeschredder. Leider kann das Growling hier nicht wirklich überzeugen – zu verschwommen, zu undefiniert. Das hindert Sänger Thomas nicht daran, mit Grunz- und Schrei-Geräuschen den soliden Death-Metal-Sound zu begleiten. Mit der monströsen Streitaxt von einem Bass wurden hoffentlich schon erfolgreichere Schlachten geschlagen, denn heute klingen THROBBING PAIN leider ein wenig monoton durchgekloppt. Nichtsdestoweniger lässt das Publikum eindeutige Zustimmung erkennen. Mehr von ihrem Death Metal gibt es zum Beispiel auf der Platte „Grave New World“.

Zum Finale spielen DECLARE YOUR FUNERAL. Aus relativ ruhigen Klängen, viel Rauch und noch mehr Nebel erklingt ein Schrei und es geht los. Die Hamburger liefern einen interessanten, weiterentwickelten Metalcore ab, der dem angeblichen Tod des Genres zu strotzen weiß. Der Gesang besteht meist aus harten Shouts und nur gelegentlichem Klargesang. Nicht selten hat Patriks Stimme dabei einen gewissen, aber nicht zu starken Post-Hardcore-Anstrich, der gut zu der oft melodischen, tragischen Musik passt, die eher facettenreich als einfach nur brutales Durchgekloppe ist – was aber auch nicht zu kurz kommt. Während der dominante Bass das nun endlich etwas stärker vertretene Publikum zum Abgehen bewegt, gehen die eigentlich exquisiten Gitarrenmelodien leider etwas unter. Schade ist auch das überraschende Ende des Konzerts, das trotz energischer „Zugabe“-Rufe anscheinend nicht fortgesetzt werden darf. Zum Glück haben DECLARE YOUR FUNERAL mit „In Search of Myself“ bereits eine exzellente EP draußen und treten schon am nächsten Wochenende wieder in Hamburg auf.


Ein weiteres Mal etabliert sich das Hamburger Rock Café als Adresse für hervorragenden Nachwuchsmetal und ein weiteres Mal hat Surface-Sänger Tom seine organisatorischen Finger im Spiel. Vom Thrash, den CENTRATE mitgebracht haben, über den Deathcore von LAST REMAINING LIGHT bis zum Metalcore von DECLARE YOUR FUNERAL war es ein beinahe vollkommener Konzertabend, der den ein oder anderen Dreh am Mischpult jedoch gut vertragen hätte. Doch es war für jeden was dabei und das Niveau war – gerade für weitgehend unbekannte Bands – überragend! Allerdings hätte dieser Halt der „Behave or Behead“-Tour gern auch etwas besser besucht sein können.