Asking Alexandria Secrets Crown The Empire The Ghost Inside

Jan Termath
Fotograf & Redakteur


08.10.2014


Asking Alexandria

|| Secrets || Crown The Empire || The Ghost Inside ||

Gruenspan, Hamburg

So, Freunde des Schattenspiels, es ist so weit, ASKING ALEXANDRIA sind in Hamburg! – Und die Metalcore-Helden gönnen sich gleich drei Vorbands: SECRETS aus San Diego mit knallhartem Post-Hardcore, CROWN THE EMPIRE aus Dallas, doppelt hält besser, mit gleich zwei Sängern an der Front und last but not least THE GHOST INSIDE aus Los Angeles. Und so viel soll gesagt sein, eigentlich hätte jeder als Headliner auftreten können – vom Headliner, ASKING ALEXANDRIA, selbst einmal abgesehen -, denn schon zu Beginn wackeln die Wände. Ein Wunder, dass nach etwa zwei Stunden noch Luft zum Mitsingen war!

Den Anfang machen die vier Jungs von SECRETS. Die Band besteht seit 2010 und erst seit 2012 in der heutigen Formation. Sie überzeugen mit Ihrem knallharten Post-Hardcore schon zu Beginn bis in die letzten Reihen des Gruenspans. Bei insgesamt drei Vorbands ist die Spielzeit jedoch recht knapp und auf eine halbe Stunde begrenzt. Nichtsdestotrotz, oder vielleicht gerade deswegen, gibt man auf der Bühne alles – soweit ich das aus Reihe Null, dem Fotograben sehen konnte. Denn stockduster trifft es für die Lichtverhältnisse ganz gut – schade, wie ich finde, denn ich gehe auf ein Konzert, um die Band nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen und das war von dem Balkon der ersten Etage schon kaum mehr möglich. Die Musik allerdings hat ihre Wellen schon vorher über den großen Teich bis nach Deutschland geschlagen, denn hier und da lässt sich merchbehangener Fan entdecken.

 

Die Umbauzeiten sind relativ kurz und das Publikum noch entsprechend angeheizt, es gibt keine Stimmungstiefs. Und so kann CROWN THE EMPIRE unbeirrt die Nachfolge antreten. Sie sind für mich definitiv die Überraschung des Abends. Eine Band mit gleich zwei Sängern, das gibt es nicht allzu oft, hat sich aber aus meiner Sicht bislang immer gelohnt – die Stimmung ist abwechslungsreicher, Dialoge bieten mehr Inhalt, man hat viel mehr Möglichkeiten. CROWN THE EMPIRE bieten bei ihrem Auftritt einen Auszug von sechs Songs ihres neuen Albums „The Resistance: Rise Of The Runaways“, das nach Veröffentlichung direkt auf Platz 7 der US-Charts eingestiegen ist. Und sollte es irgendwo doch noch eine Schlafmütze gegeben haben, wird sie jetzt mit Sicherheit wachgerüttelt sein.
Mich haben CROWN THE EMPIRE von vorne bis hinten absolut überzeugt. Sie hätten den Platz mit dem Headliner aus meiner Sicht gerne tauschen können. Da aber auch sie nur eine halbe Stunde zur Verfügung haben, ist der Auftritt schneller vorbei, als mir eigentlich lieb ist. Mit ein paar netten Worten „(…) Ich weiß, wir haben nicht oft die Möglichkeit, dieses unglaubliche Land zu besuchen, daher an alle: Go hard as fuck!“ rufen sie zum Mitmachen bei ihrem letzten Song „Fallout“ auf, während Sänger Zack Johnson sich auf die Absperrung zur Menge begibt. Eins Plus mit Sternchen!

Manchmal bestätigen sich Gerüchte – ASKING ALEXANDRIA gehören ins Studio, nicht auf die Bühne.

Last but not least wird nun die Bühne für den letzten Support-Act freigemacht: THE GHOST INSIDE. Für mich wird der Abend nun wieder durchschnittlich, ich habe gar nicht recht viel zu dieser Band zu sagen. Obwohl sie eine längere Zeit für Ihren Auftritt bekommen haben, können sie diese nicht so gut nutzen, wie ihre Vorgänger. Doch den Spaß, den sie auf der Bühne haben, können sie durchaus vermitteln. Mit Ihrem Song „Out Of Control“, den sie zum Ende spielen, geben sie den einzigen Einblick ihr neues Album, das Mitte November erscheinen soll. Soweit man das sagen kann, dürften Fans, denen das vergangene Album bereits bekannt ist, von „Dear Youth“ ebenfalls begeistert sein.
THE GHOST INSIDE schließen Ihren Auftritt mit dem Hit „Engine 45“ nach etwa 40 Minuten ab.

Und nun, Bühne frei für den verpunkten Kid-Rock-Verschnitt! ASKING ALEXANDRIA betreten die Bühne. In manchen Reihen geht das Gerücht um, ASKING ALEXANDRIA könne live den Erwartungen nicht gerecht werden. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, und vielleicht reißen die Briten heute Abend alles raus. Kaum zu übersehen: eine pathetisch wehende Deutschlandfahne, immer gut ausgeleuchtet, die den Mikroständer des Frontmann Danny Worsnop ziert. Im weiteren Verlauf des Konzerts hat sie keine Rolle mehr gespielt – überflüssige Deko, die ich mit einer hochgezogenen Augenbraue kritisch beäuge, denn ernst nehmen kann ich Anbiederungsversuche dieser Art nicht sonderlich. Interessant ist auch, dass ASKING ALEXANDRIA’s Sänger sich ein bisschen häuslich eingerichtet hat: einer aus Oma’s Wohnung geklauter Wohnzimmerteppich für den Kopf der Bande. Das Musikbusiness ist aber ja auch ein hartes Pflaster, da muss man sich auch mal etwas gönnen dürfen. Antiken Wert hat das Ding, mein Geschmack ist es nicht. Nun aber Schluss mit dem Sarkasmus, zurück zu knallharten Fakten.

Der Sound ist anfangs überraschenderweise schlechter als im Vergleich zu den Vorbands. Man möchte doch meinen, dass die Tontechniker genug Zeit hatten, den richtigen Sound einzustellen, vor allem, da Danny Worsnop der Ruf eines pedantischen Perfektionisten schon weit vorauseilt.

Worsnop ist leider kaum zu hören, bis das Mikro dann vollends ausfällt. Textsichere Fans lassen sich davon allerdings nicht beirren und grölen weiterhin lautstark mit. Nach kurzen Reparaturarbeiten geht es dann aber doch weiter, besser als zuvor, aber das Gelbe vom Ei ist es auch jetzt leider immer noch nicht. Mehrere Gäste verlassen die Location schon weit vor Ende des Konzerts, es hagelt Beschwerden. Verständlich, wenn man mittlerweile über 30 Kröten für ein Konzert hinblättern darf, der Sound sich dann aber kaum von guten No-Name-Lokalbands abhebt. Verkraften lässt sich das bei der einen oder anderen Vorband sicher, nicht jedoch, wenn es um den Headliner geht.
Und doch ist Danny Worsnop gesanglich schon eine Nummer, vor der man den Hut ziehen kann. Ob Shouts oder Clear Parts, damit weiß der Brite zu überzeugen, wie er unter anderem in „A Lesson Never Learned“ unter Beweis stellt. Das Konzert des Headliners wird dominiert von ihrem zuletzt erschienenen Album „From Death To Destiny“, ist aber im Allgemeinen sehr ausgewogen, sowohl stilistisch, als auch zeitlich und inhaltlich.
Nach knapp einer Stunde ist hier bereits Schluss – vorerst. Und doch ist es Grund für die nächsten, die üblichen Zugabe-Rufe zu ignorieren und das Konzert ebenfalls zu verlassen. Mit drei Songs als Zugabe schließen ASKING ALEXANDRIA ihren Auftritt ab, darunter „Death Of Me“, meinem derzeitiger Favoriten. Doch das hilft alles nichts.


Für mich ist das Fazit an diesem Abend: Diese Band lässt man lieber im Studio, da stimmt die Qualität. Gemessen an den Erwartungen war das für mich leider eins der schlechtesten Konzerte bislang. Ich wünschte, ich könnte Besseres sagen, doch kenne ich die eine oder andere No-Name-Lokalband, die mich live in vielerlei Hinsicht deutlich mehr umgehauen hat.